Eiskurs Franz-Senn-Hütte 2010

 

Hoit da is a Spoit!

Gletscherkurs vom 22.7-25.7 auf der Franz-Senn-Hütte.

Bericht von Esther, Barbara und Silke
Bilder von Werner

Am Donnerstag um 7:00 Uhr früh machten sich 6 wagemutige Gletscherneulinge (Johannes, Esther, Werner, Markus, Barbara und Silke) mir Ihrem Anführer Ludwig auf den Weg ins Stubaital. Nachdem der Aufstieg auch ohne Gepäck ziemlich schweißtreibend war, was sicherlich an die gut 30° Außentemperatur lag, erreichten wir Nachmittags unser Basislager, die Franz-Senn-Hütte.
Die Zimmer wurden sogleich bezogen, anschließend ging es mit Seilen, Klettergurten, Karabinern  und ca. 10 m Reepschnur bewaffnet los mit Trockenübungen am Fels.

Die ersten Rettungsversuche waren erfolgreich, so dass wir noch kurz vor dem Essen los zogen, um im nahe liegendem Klettergarten unser Kletterkönnen mit steigeisenfeste Schuhen zu testen. Unterbrochen wurde die Klettergartensession von einem kleinen, aber atemberaubendem Klettersteig, dem Höllenrachen. Vorbei an tosenden Wassermassen, erklommen wir den Ausstieg. 

Am nächsten Tag erwartete uns eine anspruchsvolle Gletschertour zum Wilden Hinterbergl mit Abstieg über die Turmscharte. Dieser war laut Karte doch auch ziemlich spaltenreich ( Zitat Ludwig: „kuschelig“). Eigentlich war das Wetter nicht wirklich für eine Hochtour gemacht, außer für Barbar und Silke (bewölkt, nicht warm und windig, herrlich!)

Nach ca. 2 h Aufstieg fanden wir den Gletscher. Am dessen Fuße wurden Steigeisengehtechnik, Pickelhandhabung und Eisschrauben setzen geübt. Das Abenteuer konnte beginnen, ran ans Seil, rein in die Steigeisen und in 2 Seilschaften aufe aufn Gletscher. Ludwig führte uns sicher durch den Spaltensalat, konnte aber das Einsinken einiger Teilnehmer (Johannes, Esther, Barbara) in die „Tagessprecherposition“ nicht ganz verhindern. Auch diverse Anweisungen „Hoit, da is a Spoit“ führten nicht immer zum gewünschten Ziel. Der Kampf einzelner Teilnehmer mit den Steigeisen (Johannes: Des wundert mi nimma, dass ma an Kriag verlorn ham, mit den Steigeisen) und dem nicht ganz stabilen Wetter brachte Ludwig nicht aus der Ruhe.    

An der Turmscharte angekommen wurde als erstes die steile Rinne, die zum Abklettern war, begutachtet. Laut Ludwig ging letztes Jahr ein Fixseil bis ganz runter, heuer nicht!

So kam es, dass schließlich 4 Teilnehmer (Markus, Werner, Silke und Barbara) in der Mitte der Rinne auf einem Band kauerten und auf den Retter Ludwig mit dem langen Fixseil warteten. Werner dokumentierte schließlich die Abseilaktion durch die STEINSCHLAG GEFÄHRDETE Rinne todesmutig mit seinem Fotoapparat. 
Der letzte Abschnitt über den Gletscher verlief reibungslos. Die Suche nach dem richtigen Weg durch die Steine gestaltete sich zunächst schwieriger als erwartet, da sich die Steinmännchen hartnäckig versteckten. Erst als Silke eines baute, zeigten sie sich auch andere. Der letzte Teil des Abstiegs wurde ziemlich  nass, mit Wasser in den Schuhen erreichten wir nach gut 9 Stunden Tour die Hütte.  

Am darauf folgendem Tag war die Motivation aufgrund von noch nasser Ausrüstung und Schuhen nicht besonders groß.

Aber es half alles nix, wir wollten ja was lernen. So ging es dieses mal leider nur noch zu 6 (Esther zog sich eine Allergie zu) Richtung Innere Sommerwand und das natürlich wieder bei strömendem Regen. Auf ca. 2700 m angekommen blies uns der eisige Wind um die Ohren und aus dem regen wurde Schnee.

 Nach kurzer Beratung entschieden wir uns nur schnell das buddeln des „Toten Mannes“ (Pickel im Schnee!) zu üben und gleich wieder den Rückzug zur Hütte anzutreten,

was sich als sehr gute Entscheidung erwies, da es noch die Nacht hindurch regnete. Der Nachmittag wurde mit Drehen und Wenden der nassen Sachen, Knotenkunde, Tourenplanung und Marschzahlberechnung  in der warmen Stube verbracht.  

Am Sonntag waren die Aussichten auf das Wetter besser bzw. unsere Sachen waren trocken. Erneut ging es auf in Richtung Innere Sommerwand. Am Gletscher angekommen  übernahm Werner die Führung bzw. das Spuren Richtung Spalte auf ca. 3000 m.

Als Ludwig diese für geeignet und wir, die sich ja da dann rein stürzen sollten, als gut empfanden, ging es an die Vorbereitungen. Barbara war die tapferste und rutschte  als Erste in die Gletscherspalte.

 Nach erfolgreicher Rettung ging es Reihum, jeder durfte sich die Spalten von innen mal ansehen, wobei Werner erst wieder ans Tageslicht kam, nachdem er alles mit dem Fotoapparat festhielt...!!! 
Wir verließen unsere Spalte bergabwärts um noch an geeigneter Stelle Eisbirnen und Abalakow-Eissanduhr zu üben, bzw. mit Belastungsproben zu testen. 

Gipfel haben wir an diesen 4 Tagen keinen betreten, was auch nicht schlimm ist, da bei den schlechten Witterungsverhältnissen die Fernsicht gleich null gewesen wäre! Es war trotz dem Wetter ein sehr gelungener Kurs, es wurde sehr viel gelacht. Das Essen der Franz-Senn-Hütte bzw. die kostenlose warme Dusche nach den Touren war legendär!

Ein besonderer Dank geht an unseren Leiter Ludwig, der in jeder Situation nicht aus der Ruhe zu bringen war und uns mit einigen guten Ratschlägen über das Eis geholfen hat. („Wenn ma Steigeisen drauf hat, stürzt man einfach nicht! Des kenns eich glei merka!“) 

Fazit von uns Teilnehmern: Jederzeit wieder, mit dem Führer, auf der Hütten, auch bei dem Wetter!

 

 

Ebenfalls wollen wir hier noch unseren todesmutigen Starfotografen Werner danken, der diese gelungen 4 Tage in Bild festgehalten hat.